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Es ist ein gutes Gefühl, Anerkennung zu erhalten!

Florian Draebecke,  Auszubildender Mechatroniker im Technologie- und Berufsbildungszentrum gGmbH in Magdeburg,  Magdeburg, 07.10.2008

 

Ich bin 20 Jahre alt. Zurzeit absolviere ich meine Berufsausbildung im 3. Lehrjahr zum Mechatroniker in der Technologie- und Berufsbildungszentrum gGmbH in Magdeburg.

Ich möchte mit meiner Geschichte andere Jugendliche ermutigen, wieder mit dem Lernen zu beginnen. Lernen macht mir jetzt Spaß, außerdem bekomme ich für meine Leistungen Anerkennung von Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Meine Eltern und meine Großeltern sind stolz auf meine Erfolge und das Leben verläuft viel harmonischer.

Ich erinnere mich sehr gern an den Kindergarten und die Schulzeit bis zur sechsten Klasse. Meine schulischen Leistungen waren in Ordnung und ich hatte Freunde, mit denen ich meine Freizeit verbracht habe. Das Lernen fiel mir leicht. Deshalb wechselte ich auf die integrierte Gesamtschule in den Leistungskurs. Aber bereits nach einem halben Jahr musste ich den Leistungskurs verlassen. Ich hatte einfach keine Lust mehr zu lernen. Die Schule war langweilig. Es war viel interessanter, mit meinen neuen Kumpels durch die Stadt zu ziehen. Wenn die Eltern nicht zu Hause waren, spielten wir den ganzen Tag am Computer. Schulfächer wie Geografie und Geschichte waren öde. Wozu? Geschichte war früher, mich interessierten die Zukunft, die Computer und das Transportieren von Daten. Geografie hatte für mich etwas mit fernen Ländern zu tun, aber verreisen konnte ich nicht, dazu hatte meine Familie nicht die finanziellen Möglichkeiten.

Ich habe fast ein halbes Jahr die Schule geschwänzt. Die integrierte Gesamtschule musste ich verlassen. Ich kam auf eine Sekundarschule in eine Hauptschulklasse. Auch dort war die Lust auf das Lernen noch nicht wieder da, alles nur Theorie.

Meine Eltern und vor allem Oma und Opa versuchten mich zu überzeugen, regelmäßig in die Schule zu gehen. Ich habe den Sinn des Lernens nicht erkannt und hatte vergessen, dass Lernen Spaß machen kann, auch wenn es anstrengend ist. Den Hauptschulabschluss schaffte ich nicht. Nur mit einem Abgangszeugnis habe ich die Schule verlassen.

Langsam wurde mir die Sache peinlich. Meine Mutti arbeitete sehr viel und ich lag meinen Eltern immer noch auf der Tasche. Dann habe ich erfahren, dass das berufsvorbereitende Jahr eine coole Sache wäre, der Unterricht wird dort mit praktischen Inhalten untersetzt. Ich habe mich angemeldet. Der Unterricht entsprach meinen Erwartungen. Besonders das Fach Elektrotechnik faszinierte mich. Nach einem Jahr hatte ich den Hauptschulabschluss mit guten Ergebnissen in der Tasche. Jetzt dachte ich, es ist geschafft, aber eine Lehre bekommt man nicht so leicht. Ein Firmenchef möchte keinen ehemaligen Schulschwänzer.

Zum Glück wurde mir von der Agentur für Arbeit geholfen. Ich habe mich für eine Ausbildung zum Mechatroniker im Technologie- und Berufsbildungszentrum gGmbH (tbz) entschieden. Den Einstellungstest habe ich schnell geschafft. Die Ausbildung ist abwechselungsreich und stellt hohe Anforderungen an die Auszubildenden. Bis jetzt habe ich zwei Firmenpraktika absolviert, um Einblicke in funktionierende Unternehmen zu bekommen.

In einer Firma des Werkzeugmaschinenbaus habe ich mein Verständnis für die Komplexität von Maschinen weiterentwickeln können und die Grundfertigkeiten des ersten Lehrjahres trainiert. Außerdem musste ich lernen, mich ins Arbeitsteam einzugliedern.

Im zweiten Praktikum war ich bei der Firma HASOMED GmbH, das ist ein Hersteller für Hard- und Software in der Medizintechnik. Für diese Arbeitsaufgaben konnte ich mich begeistern. Es ist schon erstaunlich, wie Informationen mit Hilfe kleinster elektronischer Bauteile weitergeleitet werden. Ich durfte als Auszubildender selbständig arbeiten und meine Ideen wurden ernst genommen. Die Verantwortung, die ich für meine Arbeit übernehmen musste, wuchs mit. Das war für mich eine neue Erfahrung. Mir ist dabei deutlich geworden, dass ich mit aller Kraft alle Lernangebote nutzen muss und will.

Anerkennung zu erhalten ist ein gutes Gefühl. Mein Ziel ist es, in eineinhalb Jahren eine gute Prüfung abzulegen und eine Anstellung in einem Unternehmen zu erhalten in dem ich mich wohlfühle und meine Ideen gefragt sind. Wenn ich meine Kenntnisse in der Praxis gefestigt habe, möchte ich gern den Meisterabschluss erwerben oder ein berufsbegleitendes Studium absolvieren.